Canon ImageFormula DR-F120
Allgemeines
Die Merkmale eines Dokumentenscanners sind im Grunde nicht sonderlich aufregend. Beidseitiges Scannen und ein robuster ADF sind im Grunde schon hinreichend, um die Aufgabe erfüllen zu können. Der Markt bietet dafür primär zwei Varianten. Zum einen Multifunktionsgeräte mit einem entsprechenden Scanneraufsatz und zum anderen Einzugsscanner, die auf hohen Papierdurchsatz optimiert sind.
Der integrierte MF-Scanneraufsatz hat allerdings den Nachteil, bei jedem neuen Drucker entsprechende Mehrkosten zu verursachen. Zudem ist eine Steuerung mittlerweile nur noch über Touch-Display möglich - ein schnelles Kopieren per einfachem Knopfdruck z.B. entfällt damit. Separate Einzugsscanner wiederum funktionieren ganz hervorragend als Stand-Alone Gerät und erledigen ihren Job ausgezeichnet. Aber sie können Vorlagen nur über den ADF verarbeiten. Es hat sich für mich jedoch herausgestellt, dass es immer wieder beschädigte Dokumente oder auch solche mit hohen Papiergrammaturen gibt, für die ein Flachbett unerlässlich ist.
Der Canon ImageFormula DR-F120 bietet einen Kompromiss an. Er ist im Grunde ein Flachbettscanner mit aufgesetztem ADF für beidseitiges Scannen, ergänzt durch haptische Direktwahlknöpfe am Gerät.
Gehäuse
Der DR-F120 besteht aus mattem Kunststoff, ergänzt durch Verblendungen in Klavierlack-Optik an der Vorderseite. Das Gerät mutet zwar stabil an, dies liegt aber nur am Gewicht der Scanner-Einheit. Das eigentliche Gehäuse ist zwar nicht als billig zu bezeichnen, wirkt bisweilen aber etwas klapprig. Dennoch ist es für den eingedachten Einsatzzweck stabil genug und entspricht in etwa dem, was man als Scanneraufsatz bei Multifunktionsdruckern bekommt - im Endeffekt ist der DR-F120 ein solcher ausgekoppelter Aufsatz.
Bedient wird der Scanner über sechs haptische Tasten an der Klavierlack-Front. Dazu gehören vier Direktwahltasten, Abbruch und - löblich - ein Stromschalter. Die Direktwahltasten lassen sich in der Software frei belegen. Seine Anschlussfreudigkeit lässt jedoch zu wünschen übrig: Neben dem Stromanschluss findet sich nur eine Buchse für USB 2.0. Der Scanner hat kein LAN/WLAN und ist dadurch auch nicht netzwerkfähig. Die Direktwahltasten funktionieren daher auch nur, solange der dazugehörige Rechner an ist.
Software
Der Scanner wird über einen ISIS/TWAIN-Treiber angesteuert und ist dadurch natürlich in jeder Windows-Anwendung verfügbar. Dazu gesellt sich eine Software namens "CaptureOnTouch", die in zwei Varianten daherkommt.
Die Standard-Version ermöglicht das Konfigurieren der Direktwahltasten und Scannen von Dokumenten aus der Anwendung heraus mit entsprechenden Vorlagen. Es ist so problemlos möglich, gescannte Dokumente automatisch an ein bestimmtes Programm zu schicken, per Knopfdruck in einem Ordner zu speichern, als Email-Anhang zu übernehmen oder im Rahmen eines Kopierens direkt an den Drucker zu schicken. Die Pro-Version enthält zusätzlich eine Bildverarbeitung. Mit dieser lassen sich grundlegende Schritte zur Vorverarbeitung von Scans durchführen, mit professionellen PDF-Anwendungen oder Bildverarbeitungen darf man sie jedoch nicht vergleichen.
Dazu gesellen sich diverse Plugins für Clouddienste, um die Integration des Scanners abseits von ISIS/TWAIN zu ermöglichen.
Praxis
Der DR-F120 ist ausgelegt für private Verwendung oder den Einsatz in kleinen Büros. Der ADF fasst 50 Blatt, seine Einzugsrollen lassen sich einfach austauschen. Mit optischen Auflösungen von 600 ppi für den ADF und 1200 ppi fürs Flachbett eignet er sich sowohl für Dokumente als auch für Bilder. Dokumente werden zügig eingescannt, pro Minute verarbeitet der Scanner 10 Seiten in Farbe oder 20 Seiten in s/w.
Über die Direktwahltasten lässt sich problemlos eine Kopierfunktion an einen beliebigen Drucker einrichten, ebenso lässt sich der Scan an jede beliebige Anwendung schicken. Zu empfehlen ist das jedoch nicht, da die Software CaptureOnTouch unabhängig von der Auswahl nur maximal 600 ppi zulässt. Das Scannen von Bildern sollte daher stets direkt aus der Anwendung unter Nutzung des TWAIN-Moduls erfolgen, da nur hier 1200 ppi bzw. interpoliert 2400 ppi möglich sind.
Fazit
Canon bietet mit dem ImageFormula DR-F120 einen aufgrund ADF/Flachbett sehr flexiblen Dokumentenscanner an, der sich durch 1200 ppi optische Auflösung im Flachbett auch noch für den Scan von Bildern eignet. Er ist jedoch ausdrücklich für den stationären Einsatz an einem PC vorgesehen und benötigt diesen auch für alle Funktionen. Ein Einsatz als Netzwerkscanner oder Stand-Alone Gerät ist damit nicht gegeben. Insbesondere die fehlende Netzwerkanbindung darf hier durchaus als nicht zeitgemäßer Makel angesehen werden.
Insofern ist der DR-F120 eine flexible Bereicherung des privaten Heimbüros. Für größeres Scanvolumen oder die Integration in ein umfangreicheres Arbeitsumfeld sind jedoch Einzugsscanner oder ein Multifunktionsgerät zu empfehlen.
Veröffentlicht: | 01.08.2021
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Letzte Änderung: | 18.08.2021 |